von Rita Marlen Feisel ©
Nicht selten führen Fehlfütterungen zu mehr oder weniger folgenschweren Erkrankungen der Katze. Bei den alimentären (ernährungsbedingten) Krankheitsursachen unterscheidet man grundsätzlich zwischen quantitativen und qualitativen Störungen. Im ersten Fall handelt es sich um ein Zuviel oder Zuwenig an Energiezufuhr. Im zweiten Fall ist die Qualität der Energiezufuhr mangelhaft. Dies kann entweder durch das Fehlen eines Vitamins oder einer Aminosäure bedingt sein oder aber z.B. durch ein falsches Mischverhältnis von Kalzium und Phosphor. Auch endogene Ursachen, wie etwa bei Fehlfunktionen der Leber oder der Bauchspeicheldrüse können Mangelerscheinungen hervorrufen.
Die häufigsten Fütterungsfehler entstehen dadurch, dass man versucht, minderwertiges und unausgewogenes Futter durch Vitaminzugaben 'aufzubessern'. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass gutes Futter, ob nun Nass- oder Trockenfutter, seinen Preis haben muss. Es ist deshalb ratsam, zur Fütterung nur hochwertiges, klar deklariertes Futters zu wählen, in dem sämtliche Bestandteil in einem ausgewogenen Masse vorhanden sind. Überschüssige Mengen an Mineralien z.B. hemmen die Resorption anderer Mineralien und lösen dadurch Störungen im gesamten Mineralhaushalt mit zum Teil fatalen Folgen aus.
Im Gegensatz zum Hund, den man - falls man dies wünscht - rein vegetarisch ernähren kann, ist die Katze ein Fleischfresser, da sie u.a. einen viel höheren Eiweissbedarf als der Hund hat. Die Katze benötigt z.B. Taurin, dessen Mangel eine zentrale Retina-Atrophie verursachen kann. Auch das in Pflanzen enthaltene beta-Karotin können Katzen nicht in Vitamin A umwandeln und sind deshalb auf tierisches Gewebe angewiesen. Dies sind nur einige wenige Beispiele. Deshalb ist Hundefutter als ausschliessliche Ernährungsquelle tabu für unsere Katzen. Das gleiche gilt für Einzelstoffe, wie Leber, Fisch usw., die nur in kleinen Mengen oder Intervallen resp. in Kombination mit anderen Energieträgern gefüttert werden sollen. Die richtige Ernährung unserer Katzen kann jedoch nicht pauschalisiert werden; sie ist vielmehr der jeweiligen Situation anzupassen. Eine wachsende, trächtige oder laktierende Katze benötigt z.B. eine andere Futterzusammen-
setzung als das 20-jährige 'Grosi' oder der FUS-kranke Kater.
Die Gefahren durch einen Überschuss an Vitaminen, wie z.B. das fettlösliche Vitamin A und D und Störungen des Mineralhaushaltes mit ihren Mangel- und Überschusserkrankungen veranschaulichen, wie wichtig die Ernährung für die Gesundheit und damit die Lebenserwartung einer Katze sind. So muss man bei Hauterkrankungen, Schuppen, Haarausfall, Gewichtsverlust, Augenerkrankungen, Apathie oder sogar Fruchtbarkeitsstörungen auch immer, neben selbstverständlich anderen Gründen, die Ernährung im Auge behalten.
Bei einem Überschuss an Energie kommt es wie beim Menschen zu Fettsucht mit ihren Folgen wie Herz-Kreislaufprobleme, Atemnot, Bluthochdruck, Diabetes, Niereninsuffizienz, Erhöhung der Tumorrate, verminderte Immunkompetenz, Störungen des Bewegungsapparates, eingeschränkte Leberfunktion und vieles andere mehr. In unserer wohlgenährten Gesellschaft ist die Fettsucht die meistverbreitete Ernährungskrankheit unserer Katzen, weitaus häufiger als sämtliche Mangelerkrankungen zusammen. Nachfolgende Zahlen veranschaulichen, wie wichtig die richtige Ernährung für die Erhaltung der Gesundheit ist. Bei 30% Übergewicht ist die Sterberate um 65% erhöht. Herzkrankheiten steigen um 75%. Diabetes um 200% und Erkrankungen des Verdauungstraktes um 275%. Bei einem Übergewicht von 100% ist die Sterblichkeit um das 12-fache erhöht.
Aus diesen Gründen sei vor einer Fütterung ad libitum (zur freien Verfügung) gewarnt. Auch wenn dies in einem Mehrkatzenhaushalt mit unterschiedlichen Bedürfnissen nicht ganz einfach erscheint, sollte man zu festen Mahlzeiten übergehen und übergewichtige Katzen, die ja bekanntlich auch immer hungrig sind, zwischendurch von der Fütterung ausschliessen. Die ständige Nahrungs-verfügbarkeit bewirkt eine kontinuierlich erhöhte Nierendurchblutung, die zur ernsthaften Schädigung der Nieren führen kann.
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